Der Countdown für das Aufnahmeritual in die christliche Gemeinschaft läuft....die Kommunion ist in drei Tagen und ich bin wie immer, absolut unvorbereitet.
Immerhin weiß ich erst seit 9 Jahren, dass dieser Tag erbarmungslos auf mich zuläuft und ich steh mir wie immer selbst im Weg. Während andere Eltern vermutlich schon die späteren Danksagungen im Druck haben, weiß ich immerhin schon, was ich kochen werde, denn zum Essen-Gehen fehlt mir zum einen die Lust und zum anderen der Mut - schließlich habe ich meinen Sohn dabei :-).
Ja, dieses stetige Streben nach Perfektion. Gedanklich wird es der perfekte Tag, doch es scheitert bei mir schon am passenden Geschirr. Ausreichend Teller sind vorhanden...und passend bekäme ich sie sicher, wenn ich aus jedem Teller ein Stück wegbreche und die Muster nachträglich draufmale, denn seit ich Mutter bin gibt es kein zusammenpassendes Tafel-Geschirr mehr. Tischdecken liegen irgendwo in den Tiefen dieser Dauerbaustelle in einem Karton, den ich vermutlich erst finde, wenn wir ausgezogen sind.
Selbst die Kleiderwahl löst bei mir Stresspusteln aus, da das, was ich gerne anziehen würde sich einfach nicht finden lässt und das, was ich finde lehnt mein Körper aus diversen Gründen ab. Es ist schlichtweg grausam. Meine Highheels, die mich immerhin optisch ein wenig strecken würden, haben sich der Gesamtstimmung angepasst und den Geist aufgegeben..so wie meine Friteuse, die ich eigentlich dringend gebraucht hätte. Es hat sich wohl alles gegen mich verschworen, doch nicht mit mir. Jetzt erst recht, gelle!
Aus dem ehemals geplanten Kartoffelgratin sind Pommes geworden, sofern die bestellte Friteuse noch rechtzeitig kommt. Aus meinem Aschenbraten ist ein Schinkenbraten und aus meiner Gourmet-Vorspeise mit Lachs eine bodenständige Markklösschensuppe mutiert. Nicht, dass mir die erste Wahl nicht mehr zugesagt hätte, aber ich stehe ziemlich alleine mit den Vorbereitungen und weiß bis jetzt noch nicht, wo wir eigentlich feiern wollen, da selbst das Wetter mich nicht leiden kann. Alles ein wenig frustrierend, aber so schnell gebe ich nicht auf.
Wir haben einen riesengroßen Garten ein Stück weiter weg, aber bei unserem Glück lässt Gott aus lauter Dankbarkeit, dass unser Sohn nun auch zur Kirche findet, flüssige Sonnenstrahlen auf uns hinabrieseln und meine Kuchen brauchen Schwimmärmchen.
Oder aber ich will clever sein, bereite hier alles vor, schmücke und dekoriere, zerre mein wahllos zusammengewürfeltes Tafelservice auf einen nicht wirklich perfekt geschmückten Tisch, um dann im dunklen Wohnzimmer in strahlenden Sonnenschein zu schauen. Ach ist das alles ätzend. Aber ich war noch nie das Glückskind, wenn es darum ging, zwischen zwei Alternativen zu wählen, da ich ein gesegnetes Talent habe, die falsche zu erwischen.
Wie dem auch sei, es nutzt alles nix, da müssen wir nun durch und ich bin bestrebt, das knallhart durchzuziehen. Schließlich bin ich eine Frau...und FRAUEN kriegen das hin *einred*! Ich berichte euch dann Montag (wenn ich mich von dem Schock erholt habe), wie es gelaufen und welche Katastrophen es gegeben hat.
Immerhin hat mir eine liebe Bekannte aus dem Dorf eine Last abgenommen und backt für mich einen der vier Kuchen...(danke Angela), was mich echt gerührt hat...so als Stadtkind. Ich bin es nicht gewohnt, dass mir jemand Hilfe anbietet...außer von meinen engsten Freunden und tue mich immer recht schwer, Hilfe anzunehmen. Wer weiß, vielleicht werde ich ja doch noch zum Landei, denn es gefällt mir zunehmend besser hier^^.
So...in diesem Sinne flitze ich mal wieder in meinen Dauerstress und hoffe, dass mir noch ein paar nützliche Arme wachsen...
euer---Questinchen




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