Eine ganze Zeitlang konnte ich mich damit trösten, dass meine Kleider den Trockner nicht vertragen oder ich ein falsches Selbstbild habe, doch wann immer ein aktuelles Foto auftaucht, gehässigerweise mit meinem dümmlichen Gesicht drauf, stelle ich fest, dass ich mir etwas vormache. Dann kommt wieder diese "Ich mache eine Diät"-Phase, die gewisse Stationen durchläuft.
Es beginnt mit dem Durchforsten diverser Seiten, die einem sämtliche Folterarten aufzeigen, die nicht immer gesund sein müssen. Oftmals schaden sie letztendlich der gewohnten Lebensart, gefährden das Wohlbefinden und haben nicht selten etwas mit sportlichen Verrenkungen zu tun, die unsereins nur sehr schwer verkraften kann oder die zu schlimmen Verletzungen führen. Ich gehöre zu der Kategorie Mensch, die schon einen Schweißausbruch bekommt, wenn sie den Beginn der Sportschau in der Flimmerkiste sieht, oftmals reicht schon der Moderator, der berichtet, dass ein Marathon startet. Also kommen solche Foltermethoden für mich nicht in Frage, bleibt dann wieder Plan B - das Reduzieren beliebter Lebensmittel.
Das Problem an dieser Phase ist, dass ich mich immer sehr an Gewohnheiten klammere und meine Mettbrötchen, überbackenen Speisen und Eisbecher nur sehr sehr schwerlich entbehren kann. Dann folgt die Phase der Verdrängung, die mir Sätze entlockt wie: "Man, hab ich heute wieder einen Blähbauch" oder "Ich kann seit Tagen nicht zum Klo" und sogar sowas wie "Ich brauch neue Klamotten, die alten sind eingelaufen". Ja, die Selbsterkenntnis bringt eine Menge Schmerzen mit sich, vor allen Dingen, wenn ich spüre, dass ich dankbar und froh bin, keine Batterien für die Waage zu finden. Mein Mann liebt jedes Gramm an mir, doch was nutzt mir das. Dank kompetenter Bemühungen unserer Mode-Industrie wird uns Moppelchen immer wieder klar, dass man uns täglich unter die Nase reiben muss, wie pfundig wir eigentlich sind. Es beginnt mit BHs, die über ein großes Cup verfügen, aber Träger so dünn wie Spaghettis haben. Was denken die, wie lange es dauert, bis so ein Weibchen wie wir schmerzhafte Schützengräben in die Schulter gezeichnet hat? Oder wie kurz der Einkauf sein muss, um nicht Gefahr zu laufen, dass uns unsere Oberweite beim Bäcker auf den Tresen knallt? Wir brauchen Stahlträger!!!!! Mindestens mal Halter, die nicht nur stabil...sondern auch bequem sind und glaubt mir, könnte ich mit Nadel und Faden umgehen, würde ich genau so etwas herstellen. Außerdem raffen diese wahnsinnig gescheiten Modedesigner einfach nicht, dass fast jede zweite Frau zweierlei Cupgrößen braucht, weil die Natur es sich zur Aufgabe gemacht hat uns bis zum Lebensende zu quälen. Nennen wir unser Körbchen rechts mal Julia und links das Jeanette, dann würde Julia Jeanette anschubsen und sagen: "DU komm doch rüber...hier ist mehr Platz". Ja so ist das halt mit uns Weibchen - da liegen unsere Probleme und das ist erst der Anfang.
Weiter geht es mit dem Erscheinungsbild der Pfunds-Mode. Welche Frau möchte bitteschön mit riesengroßen Sonnenblumen auf ihre hart erarbeiteten Formen hinweisen??? Auch wir haben ein Recht auf ein richtig scharfes Design und einen modernen Print, oder? Ansonsten müssen wir uns ein paar Tischdecken zusammennähen und mit Lackdosen passende Muster und Aufdrucke erstellen...aber dann geht euch mit Sicherheit eine Menge Kundschaft verloren.
Selbst die Zweisamkeit ist nicht einfach...lieg du mal stundenlang nackisch mit eingezogenem Bauch im Bett...und drehst du dich andersrum gehts schon gar nicht :-). Auch hier bestehen wir grundsätzlich auf hübsche Dessous, die nicht nur hauchdünn sind, sondern wirklich das hervorheben, was hervorzuheben ist, ohne das quillt, was man besser versteckt, gelle?
Aber zurück zum eigentlichen Thema...öhm...um was ging es gleich???? Das wäre dann die letzte Phase....in der wir erkennen, dass das Leben viel zu kurz ist, um sich über das ein oder andere Gramm aufzuregen, denn wenn wir mal in der Kiste liegen, kräht kein Hahn (abgesehen vom Bestatter) mehr danach, ob wir Idealmaße hatten oder ein paar Pfündchen zu viel auf den Hüften. Und glaubt mir....die mit den Idealmaßen hatten es nicht ganz so schön wie wir....
PS: vergesst nie...es spielt keine Rolle, wie dick oder dünn ihr seid, wichtig ist, dass ihr euch gut verkaufen könnt :-) und euch mit euch selbst wohlfühlt...der Rest ist Nebensache...
in diesem Sinne
euer Questinchen



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