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Montag, 9. April 2018

Sommer - Tanz der Rasenmäher

Noch vor 2 Wochen suchte ich verzweifelt meine Handschuhe, weil ich Angst hatte, dass mir die Kippe aus der Hand fällt, wenn ich, seriös wie ich nun mal bin, rauchend spazieren gehe. Nun, ein paar Tage nach der quälenden Suche, suche ich wieder...nein, nicht nach Handschuhen, sondern nach meiner Sonnencreme.

Dieses Jahr hat mich die Sonne eiskalt erwischt. Mein Leben war minutiös geplant. Erste Knospen, erstes grünes Blatt - Figur-Check - Klamottencheck - Partyplanung - Grill schrubben - Holzkohlebestand prüfen...und zack...war es draußen so heiß, dass ich gar nicht mehr dazu kam, irgendwas zu checken.

Letztes Jahr war ich so erpicht auf den kommenden Sommer, dass ich bereits vor Ostern Kräuter gepflanzt und meine Blümchen eingetopft hatte...und prompt kam noch einmal heftiger Frost und nix kam aus dem Boden...außer weinende Schnecken, die nix zu knabbern fanden. Dieses Jahr wollte ich es besser machen, um nun festzustellen, dass ich schlicht und ergreifend vom Wetter verarscht werde.

Der Sommer hat ja leider auch zwei Seiten, so wie alles auf unserer, ach so schönen Erde. Somit gibt es natürlich auch etliche Nachteile. Jeder Depp sieht, dass ich mir nicht nur Winterspeck, sondern auch Winterfell zugelegt habe. Also hab ich gestern mal das Winterfell entfernt, um dann festzustellen, dass mein Winterschlaf zu kurz war, um den Winterspeck abzubauen - quasi ja nicht meine Schuld, was kann ich dafür, dass es im April schon so kacke warm ist. Nun steh ich da und muss eine Turbo-Diät einlegen, damit ich in meinen Radlerhosen und Shirts nicht aussehe, wie ne Presswurst - nur breiter. Peinlich peinlich. Das Schlimme ist, mir wird es echt schwer gemacht. Schuld bin natürlich nicht ich, sondern mein Freundeskreis - klarer Fall, oder? Es hat sich halt in den letzten Monaten so eingebürgert, dass wir die Wochenenden zusammen verbringen und da gehört nun mal auch ein zünftiges Angrillen und Verzehren diverser Getränke dazu. Dehydration ist ja was ganz schreckliches - da sterben Menschen dran. Um dem vorzubeugen, sind wir da besonders vorsichtig :-).

Böse Zungen könnten jetzt sagen: "Du kannst ja "nein" sagen". Aber mal ehrlich...wie unhöflich, bitteschön, wäre das denn? Ich mag meine Freunde und will sie natürlich auch nicht vor den Kopf stoßen - hab ja schließlich Anstand. Also opfere ich meinen geschundenen Körper und quäle mich durch die Wochenenden mit viel Gelächter und Leckereien. Ja...ich bin da vollkommen selbstlos. Ich habe mal kurz überlegt mir fette Freunde zu suchen, die sich dann dazugesellen, dann würde ich optisch nicht so hervorstechen^^.

Ja, zu den weiteren Nachteilen der warmen Temperaturen zählt leider auch mein Nachbar. Der Gesang seiner Heckenschere, Motorsense und seines Rasenmähers ist schon in den frühen Morgenstunden zu vernehmen. Möglich wäre es, dass er für ein Konzert übt und darin sehr engagiert ist, könnte natürlich auch sein, dass er die gleiche "Sympathie" für mich hegt,
wie ich sie für ihn empfinde. Man weiß es nicht. Ist ja immer schwer, festzustellen, ob man gemocht wird. Gut, es gab schon ein paar kleine Eklats, Diskrepanzen und Anfeindungen gegen mich und meine Familie, aber das könnte auch an seinem Tourette liegen, was er nicht immer so auf die Kette kriegt. Dabei müsste er mir gegenüber solidarisch sein, schließlich sind wir beide im gehobenen Alter und nicht viel größer als eine Parkuhr.

Was meint ihr? Muss ich es persönlich nehmen, wenn er sofort das Ordnungsamt ruft, wenn wir versuchen, ein kleines Stück Pappe, was nicht mehr in den Eimer passt, zu verbrennen? Nicht, dass es schon Funken geschlagen hätte...es war nicht mal mehr am brennen und zack...war er da, der nette Herr mit dem anklagenden Blick. Oder...dass er cholerisch rumbrüllt, wenn man versucht, den Heckenschnitt auf den Anhänger zu laden? Nein, oder? Er erinnert mich so ein wenig an das HB-Männchen, falls sich noch wer dran erinnert. Er hat auch eine sehr nette Frau, die sich durchzusetzen weiß...zumindest kann sie lauter keifen, als der kleine Mann. Aber des Männleins Stimme ist anders...ein wenig anders.. diese Stimme erinnert mich immer ein wenig an den Winter...denn sobald ich die höre, stellen sich alle Haare auf und ich bekomme Gänsehaut.

Ich erinnere mich an einen weiteren Abend, der dem Entgegenwirken der Dehydration galt. Wir saßen mit 10 Leuten hinter unserem Haus und hörten über das Handy Musik (Handynutzer wissen, wie "extrem laut" die Dezibel dann rüberkommen). Es dauerte nicht lange, da hatten wir bereits Besuch der Narrenzunft Blau-Weiß, die jedoch schnell wieder abzog. Das kleine Männchen postierte sich dann später an unserem Weg und schrieb jedes Nummernschild meiner Gäste auf - wozu auch immer. Ja, er ist halt ein lieblicher, kleiner Zwerg und sehr wahrscheinlich wurde nur vergessen, ihn im Garten aufzustellen. Ordnung ist ihm sehr wichtig, er möchte alles wiederfinden.
Deshalb parkt jeden Tag seine drei Autos in seiner Straße, damit kein weiteres Auto die Möglichkeit hat, einen Parkplatz zu finden. Frag mich immer, wozu er drei Autos braucht, wenn er bei keinem übers Lenkrad schauen kann. Naja, nicht mein Problem. Er ist jedoch auch sehr modern - quasi mit der Zeit gegangen. So tragen seine Katzen GPS, damit er sie via Handy orten kann :-). Frag mich insgeheim immer, ob er seiner Tochter damals auch eins verpasst hat...doch ich denke, das lag zu der Zeit noch nicht im Trend.


Aber zurück zum Sommer....! Der Sommer hat natürlich auch seine Vorteile...dank Sonne, Regen und Wind sprießen Blümchen, Gräser und das Laub der Bäume...und somit natürlich auch meine Hecke! Gaaaaanz wichtig...denn so brauch ich das Männlein nicht mehr unbedingt sehen...da unsere Hecke schon stolze 1,80 m hoch ist...!

Jeder, der mich kennt, weiß...dass ich ein sehr furchtloser Mensch bin. Wäre ich in einem anderen Jahrhundert geboren worden, würde ich wohl heute Kriege anführen oder auf einem Thron sitzen und das Volk regieren...! So gehe ich völlig mutig durch meinen Garten, gebe mich der Natur vollkommen hin und genieße alles, was der Sommer so bringt. Gut, ich packe halt nicht unbedingt ohne Handschuhe in Erde..Würmer, Asseln, Schnecken und anderes Getier will ich auf keinen Fall berühren. Genauso mutig ernte ich das, was ich eben so aussäe...na gut, ehrlich gesagt bezieht sich das mehr oder weniger auf den Apfelbaum...okay, mehr auf die Äpfel am Baum, an die ich rankomme, ohne dass ich zwischen die Äste greifen muss. Man weiß ja nie, was dort hockt und mich angreift. Wenn wir draußen Kuchen essen, decke ich total engagiert die Kaffeetafel...und flüchte wirklich erst, wenn Bienen oder Wespen feststellen, das ich gut gebacken habe...aber ansonsten bin ich da echt tiefenentspannt. Ich liege auch sehr gern im Schwimmreifen und lass mich über meinen Pool treiben...und wenn ich das tue, bringe ich immer wieder Menschen zum Staunen - ich bin nämlich extrem schnell...in Lichtgeschwindigkeit paddele ich an die Leiter und ohne die Stufen zu berühren bin ich wieder in meiner Wohnung, wenn eine Libelle ihre Runden dreht. Angst? Pah..nein...Rücksichtnahme. Ich dringe ja schließlich in ihren Lebensraum ein und ziehe mich dann halt dezent und turboschnell zurück.


Aber ich bin da nicht alleine mit meinem strotzenden Mut. Als wir vergangenes Wochenende wieder ein medizinisches Seminar über Dehydration abhielten und so völlig entspannt im Gesprächskreis saßen, während das Feuer knisterte....sprang meine Freundin mit einem solchen Schrei von der Bank, dass dem Kumpel gegenüber seine Medizin (Jim Beam-Cola) aus der Hand fiel. Noch bevor ich wusste, warum sie schrie, stand ich schon fast bei einem anderen Kumpel vor der Wohnung, die sich drei Ecken weiter befindet. Auch hier wieder ein klassisches Beispiel für meine wahnsinnige Wahrnehmung und mein Gespür für drohende Gefahren. Es handelte sich bei der Bedrohung um eine Spinne, die, wenn man mich jetzt fragt, handtellergroß war. Gut, die Männer würden jetzt behaupten..."joa, die war schon bissel größer, aber doch bei Gott noch winzig, wenn man bedenkt, welche Kaliber in Afrika rumkrabbeln".., nein, das tröstet keine Frau, das macht sie nur noch wütender. Von diesem Moment an stand sie nur noch und wenn sie sich setzte, suchten ihre Augen panisch die Hauswand ab...ich bemerkte es, schwieg und war dankbar, dass sie den visuellen Kontrollgang für mich übernahm.

War überhaupt ein spannender Abend...wir beobachteten einen Satelliten, der in rauschender Geschwindigkeit unser Haus umkreiste, erfreuten uns am Sternenhimmel und lauschten den Klängen des laufenden Urins, der an unsere Bäume plätscherte, wenn die Herren sich mal eben im hinteren Teil des Gartens aufhielten. Natürlich haben wir eine Toilette, aber zum einen wurde über einen Beitrag auf einer der vielen Webseiten diskutiert, nachdem es gut für die Natur wäre, wenn die Gäste die Bäume und Büsche wässern, statt die Toilette zu besuchen, zum anderen denke ich insgeheim, dass die Kerle einfach nur ihr Partyrevier markiert haben, damit sie es am anderen Tag wiederfinden. Mir solls Recht sein...solange keine WC-Steine wachsen, die dann von WC-Enten gefressen werden.

Ja...so isses..die schönste Zeit des Jahres hält Einzug und ich hoffe, dass ich euch über weitere Merkwürdigkeiten berichten kann. Schließlich wird es noch viele Wochen geben, wo wir das Thema "Dehydration" zum Inhalt unseres Gesprächskreises am Wochenende machen werden :-).

Ich wünsche Euch einen sonnigen Tag...nette Nachbarn oder geeignete Mittel, um sie in den Griff zu kriegen :-)

in diesem Sinne...bye bye...
euer Questinchen

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