Du warst die Woche sehr träge und verschlafen und ich redete mir ein, dass es die Hitze ist, die Dir zu schaffen macht. Wenn ich Dir Leckerlis gab, hast du zwar kurz gezögert, sie aber dann mit Feuereifer genossen, sodass ich nicht ahnen konnte, was auf uns zurollte.
Der Tumor, der wie ein Damokles-Schwert über unserem Leben schwebte, war nun nicht mehr zu leugnen, so riesig, wie er aus Deinem Fell ragte. Du kamst nicht mehr von glatten Böden hoch, weil dieses Ding es nicht zuließ, sodass wir Dir helfen mussten. Wir besuchten Donnerstag einen weiteren Arzt in der Hoffnung, dass dennoch ein Wunder möglich wäre - Fehlanzeige. Er gab uns irgendwelche Tabletten, die Deine Schmerzen lindern sollten - Schmerzen? Du hast uns nie signalisiert, dass Du Schmerzen hast - im Gegenteil. Wie ein junges Hundemädchen bist du Deinen Kartoffeln nachgeflitzt, wenn wir Dir welche in den Garten warfen, um darauf rumzuspringen - also alles wie immer ...
Du hast mich die letzten Tage so tiefgründig angesehen, sodass ich betete, einmal Gast in Deinem hübschen Kopf zu sein, doch leider sah ich nur deine wundervolle Seele, während du mein Gesicht fixiertest. Ich weiß nicht, ob Du mir schon bei diesen Blicken sagen wolltest, dass du gehen möchtest...
Am Morgen danach riefen wir einen weiteren Arzt an, da wir nicht zulassen wollten, dass der Tumor aufgeht, sodass Du vielleicht doch Schmerzen bekommen würdest. Er kam mittags! Die Stunden, die wir darauf warteten, dass er auf den Hof fuhr, waren für mich schrecklich...denn ich ahnte, dass ich Dich bald freigeben musste, doch mein Innerstes wehrte sich dagegen. Undenkbar, Dich nicht mehr neben mir liegen zu sehen, zu schmerzhaft, ohne Dich im Garten zu sein, unfassbar, morgens nicht in Dein wunderschönes Gesicht zu schauen.
Du warst, als die Ärztin kam, wie immer. Warst freundlich und charmant, hast gewedelt und sie begrüßt, während mir die Tränen die Wange runterliefen, um ungeachtet in meinem T-Shirt einen kleinen See zu bilden.
Sie wollte Dir ein Beruhigungsmittel spritzen, weil Du dann doch Angst bekommen hast - Angst, die ich Dir nicht nehmen konnte. Du hast geschrieen, weil sie versehentlich an Deinen Tumor kam und mir brach das Herz, Dich so zu sehen und gleichzeitig die Erkenntnis, dass ich Dich, sobald diese Frau unser Haus verlässt, verloren habe. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis es Dich in Dämmerschlaf versetzte. Ganz ruhig lagst du in unserer Küche auf dem Boden...dem Boden, den du sonst akribisch nach Essensresten abgeschnüffelt hast und konntest Dich entspannen. Was dann kam, wird für mich ewig wie ein Messer im Herzen spürbar sein....
Eine weitere Spritze wurde aufgezogen und sie nahm mir dass, was ich 11 Jahre behütet und beschützt habe..DICH...mein so sehr geliebtes Mädchen. Kurz vor Deinem Tod streichelte ich noch über dein Köpfchen und flüsterte ..."Ich liebe Dich" in Deine Öhrchen, die ich so gerne kraulte..und ich hoffe inständig, dass Dich meine Worte noch erreicht haben...bevor Du Deine Reise über die Regenbrücke angetreten hast.
Seit Du fort bist...ist mein Leben nicht mehr, wie es war. Ob die Sonne scheint oder nicht, ist mir im Moment ganz egal...denn meine Sonne ist erloschen...als Du die Augen für immer geschlossen hast. Ich habe Dich am Tag Deines Todes virtuell auf Reisen geschickt...Reisen durch Länder, von denen du bisher sicher nichts gehört hast...! Es ist unfassbar, wie viel liebe Menschen Dich begleitet haben und es noch immer tun...täglich wächst der Counter und jeder wünscht Dir eine schöne Reise über die Regenbogenbrücke, mein Mädchen. Ich hoffe, dass Du auf mich wartest und wir unseren Weg, wenn meine Zeit abgelaufen ist, gemeinsam weiterlaufen können...
An alle, die ihre Fellnase noch bei sich haben...genießt jeden Tag, als wäre es der Letzte, sonst werdet ihr Euch eines Tages vorwerfen, es nicht getan zu haben...! Treuer, als die Liebe eines Tiers zu seinem Lieblingsmenschen, kann kein Mensch sein. Völlig selbstlos und ohne eine Spur von Missgunst oder Argwohn, liebt es Dich...egal, wer oder wie du bist...es hört nicht auf, Dir immer und immer wieder zu zeigen, wie wichtig du für es bist...bis es für immer die Augen schließt. Zolle ihm Respekt und reflektiere..und vor allen Dingen...ziehe Deine Lehre aus diesem Vorbild...und erkenne, dass es wahre Liebe gibt!







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