Kellerlacher oder Karnevalsjeck? Naja, eigentlich auch egal, denn wer im Zentrum des Karnevals lebt, wird sich entweder einschließen müssen oder er rennt mit dem Rudel, trällert Karnevalshits und kippt sich einen hinter die Binde. Der Vorteil...selbst Kellerlacher bleiben an den närrischen Tagen nicht ungeküsst, je nachdem, wo sie sich aufhalten.
Ich persönlich habe das "Helau" bereits bei Entnabelung intus gehabt und vermutlich war nicht "Mama" mein erstes Wort, sondern wohl eher "Kamelle", nur leider bringt mir das derzeit nicht wirklich viel, weil, wie ihr wisst, ich in den kalten Norden gezogen bin. Hier soll es zwar Narren geben, aber ob die wirklich was mit Karneval zu tun haben, sei mal dahingestellt. Für mich eine tragische Wende in meinem Leben und die Tragweite meiner Entscheidung wird mir jetzt, fünf Tage vor Weiberfastnacht, erst bewusst.
Ich überlege noch, ob ich nicht aus lauter Protest unser Haus schmücke, die Karnevalsmucke um 11.11 Uhr laut aufdrehe, die Fenster öffne und laut "Helau" schreie. Vielleicht renne ich auch kostümiert und mit Luftschlangen umwickelt durchs Dorf, so hinterlasse ich wenigstens meine karnevalistischen Spuren in den Gassen dieser Nicht-Karnevalisten! Zum Jammern...zumindest für mich. Aber es soll ja Leute geben, die sich zu Karneval in ihren Wohnungen verbarrikadieren, weil sie das Kotzen kriegen, wenn irgendwer von auf den Flur stehenden Pferden oder der Nordseeküste trällert. Ich bin da anders....selbst mir lange Zeit verhasste Schlagersongs bekommen an den närrischen Tagen Tiefgang und werden von mir mitgebrummt.
Der liebe Gott hat es mir allerdings dieses Jahr ein wenig leichter gemacht und mir netterweise eine Entzündung geschenkt, die ich mit Antibiotika behandele, somit hat sich die Frage ...ob ich nun was trinke oder nicht erst einmal erledigt. Aber ich bin auch ohne Alkohol ein lustiges Früchtchen und lass mir mit Sicherheit für die Fastnachtstage was besonderes einfallen.
Ich habe mich ja mit einem Nordländer eingelassen und alles, was ihm zum Thema Karneval einfiel, waren politische Sitzungen und Büttenreden, die einen einschläfern. Nicht zu fassen! Eigentlich hätte ich schon da beschließen müssen, niemals meine Heimat zu verlassen, naja...aber es kam ja anders g*.
Nun scheint es also an mir, den Karneval im Norden einzuführen, schließlich soll ich mir auch angewöhnen, Hochdeutsch zu sprechen und in jedes Essen Wurst zu packen *schüttel*! Mir unbegreiflich, welche Gepflogenheiten hier so herrschen g*, aber das ist ein anderes Thema, gell.
Je länger ich an meinem Blog hier sitze, desto trübsinniger werde ich. Normalerweise würde jetzt schon rege Hektik herrschen, da ich sehr wahrscheinlich wieder auf den letzten Drücker auf der Suche nach Glitter-Spray, Schminke und dem passenden Kostüm wäre und nebenbei wäre ich mit meinen Freundinnen am streiten, wo wir nu einkehren und wo nicht. Ist auch gar nicht so einfach an Karneval, da überall in meiner Heimatstadt der sprichwörtliche Bär tobt.
Wusstet ihr das an Karneval die meisten Beziehungen beginnen und gleichzeitig die meisten enden? Naja..das kommt halt dabei raus, wenn man sich selbst nicht eingestehen kann, dass Mr. Right wohl doch nicht so das Gelbe vom Ei ist und man ne Zweitbesetzung knutscht. Morgens begrüßt einen neben einem heftigen Kater dann nebenbei auch noch das schlechte Gewissen, spätestens dann, wenn die Hirnzellen wieder regulär funktionieren. Aber auch Beziehungen, die an solchen Tagen beginnen, enden nicht selten tragisch...oft sogar schon am ersten gemeinsamen Morgen. Schläfrig und verkatert dreht man sich um, blickt in ein Gesicht, was einen zu Tode ängstigt und schaut panisch unter die Decke, ob man noch bekleidet ist und oftmals endet dieser Moment mit einer Restausnüchterung und einer schnellen Ausrede, um den Ort des Grauens wieder zu verlassen. Diese Sorte Karnevalist beendet an dieser Stelle meist seine närrische Zeit und schwört sich ewige Abstinenz.
Aber es soll auch Romanzen geben, die genau an diesen Tagen entstanden sind und Jahre später noch glücklich sein sollen. Tja, wenn die sogenannten "Schleier" fallen und man noch immer begeistert vom Gegenüber ist kann es durchaus was Festes werden.
Wer sich vorgenommen hat, den Karneval außerhalb der vier Wände zu begehen, der sollte einige Regeln beachten, damit der Nachgeschmack nicht all zu bitter ausfällt. Zwischen dem Alkohol sollte Mineralwasser getrunken werden - das hält länger nüchtern. Ein gut gefüllter Magen hält mehr aus, deshalb deftig essen, bevor es auf die Pirsch geht. Zuviele Zigaretten sorgen am Morgen danach für heftige Kopfschmerzen, also reduzieren, so gut es möglich ist. Beim Kostüm gilt es abzuwägen, ob drinnen oder draußen gefeiert wird. Nicht selten schwitzt man sich in den Kneipen zu Tode, wenn ein Bärenfellkostüm oder ähnliches den Körper wärmt. Lieber nach dem Zwiebelprinzip kleiden, so hat man die Möglichkeit, Kleidungsstücke auszuziehen, ohne nackisch dazustehen.
Wer am anderen Tag arbeiten muss, sollte sich gut überlegen, wegzugehen, da selbst der Vorsatz, früh zuhause zu sein, zu 89% in die Hose geht.
Wer karnevalsfremd ist, sollte sich die Hochburgen von Prinz Karneval anschauen. Hier haben Köln, Koblenz, Bonn, Duisburg und Düsseldorf die Nase vorn. Ich persönlich kann nur den Koblenzer Karneval nebst ortsansässigen Gemeinden beurteilen, doch Köln soll auf alle Fälle einen Besuch wert sein. Open-Air-Bühnen, buntes Treiben in den Straßen der Altstadt, eine Menge cooler Sitzungen und ein gigantischer Rosenmontagszug laden zu Spaß und Unterhaltung ein. Zu Koblenz sei gesagt: es gibt eine Menge geiler Kneipen, wo der Bär steppt. Empfehlenswert sind, je nach Altersklasse, der "Affenclub", den ihr am Münzplatz finden könnt. Sehr skurril und abgefahren wird in der ältesten Kneipe von Koblenz gefeiert - "Joes Winkel". Urisch dekoriert und ständig überfüllt sorgen gemischte Klänge für Stimmung. Das "Alte Brauhaus" lässt kaum einen Stehplatz, ist aber sehr beliebt bei Gästen aller Altersklassen und Schichten. Nebenbei kann man dort sehr gut essen. Auch der "Coyote Ugly Club" hat sich in Koblenz einen Namen gemacht und ist immer einen Besuch wert. Zu den In-Kneipen an Karneval zählt natürlich auch das "Agostea". Eigentlich spielt es an Karneval kaum eine Rolle, welche Kneipe auf dem Plan steht, da in ganz Koblenz In- wie Outdoor gefeiert, gesungen, geschunkelt und geknutscht wird. Also..stürzt euch ins Getümmel und lasst euch mitreißen von der einzigartigen Stimmung in der närrischen Zeit.
Das Highlight für Groß und Klein ist natürlich der Rosenmontagszug, der dieses Jahr am 3.3.2014 um 12.11 Uhr in der Rheinstrasse startet und sich wie ein Wurm durch die Straßen der Stadt schlängelt. Das Zugende ist dann in der Casinostrasse.
Weitere Karnevalsumzüge rund um Koblenz findet ihr unter http://www.karneval-in-koblenz.de/
Vergesst nicht, euch was fettes, öliges oder fischiges (im günstigsten Fall alles zusammen) in den Kühlschrank zu legen, ihr werdet es am nächsten Morgen/Mittag brauchen, um wieder auf Spur zu kommen g*.
Ich wünsche euch schon jetzt eine tolle 5.te Jahreszeit mit wenig Blackouts, einer Menge Gelächter und unvergesslichen Augenblicken und denkt mal an jemanden, der so gerne dabei wäre...es aber leider von hier aus nicht kann.
Ich werde Rosenmontag eine Pilgerfahrt durch meine Erinnerungen machen und sicherlich auch das ein oder andere zum Lachen finden^^..
Kowelenz Olau...








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