Teenager erkennt man ja eigentlich ganz leicht, wenn sie apathisch an einem vorbeihuschen. Meist vertieft in Selbstgespräche, Zahnstocher im Mundwinkel, Hosen auf Halbacht, süffisantes Grinsen im Gesicht und die Arme völlig atypisch vom Körper weg, als würden Rasierklingen in den Achseln pieken. Naja, da frag ich mich immer wieder...warum nur? Es beginnt beim Zahnstocher. Was soll uns dieser symbolisieren? Für was steht er? Ist das ein Zugehörigkeits-Symbol der Erlauchten, die zum Kreise der Obercoolen zählen? Ein Zigarettenersatz? Eine Alternative zum längst vergessenen Schnuller? Oder dient er einfach nur zielstrebigen Übungen der Mund- und Lippendynamik? Es ist jedenfalls faszinierend, dass dieses hölzerne Etwas noch nicht einmal rausfällt, wenn sie ihren Kaugummi kauen oder eben Selbstgespräche führen.
Die Selbstgespräche sind auch etwas sehr mysteriöses für mich, wo ich schließlich schon im "gehobenen" Alter bin. Vielleicht sind es gar keine Selbstgespräche, sondern es liegt am Stöpsel, der im Ohr hängt und der Versuch, ein Lied mitzuträllern, was bei den heutigen Songs nicht unbedingt schwer ist, wenn ich so an manche Liedtexte denke. Es könnte natürlich auch sein, dass sie geheime Absprachen per Handy halten, ohne dass ein Jugendlicher ja grundsätzlich nicht das Haus verlässt. Natürlich wäre es zu viel verlangt, dass ein Teenager den Stöpsel entfernt, wenn man sich mit ihm austauschen möchte. Ich bin es fast gewöhnt bei solchen Unterhaltungen einen wippenden Halbstarken vor mir stehen zu haben, der noch nicht einmal versucht, interessiert auszusehen, unfassbar ! :-).
Die Armhaltung macht mir etwas Angst. Ich befürchte, dass die nächste Generation akute Haltungsschäden mit sich bringt und für die Wirtschaft unbrauchbar wird. Es sei denn der Paketzusteller, die benötigen schließlich den Spielraum unter den Armen, um Pakete drunter zu klemmen, gell. Ganz anders die weibliche Ausführung der heranwachsenden Monster von morgen. Die zerbrechen bereits, wenn sie das Haus verlassen wollen und feststellen, dass der Handy-Akku leer ist. Es beginnt eine ernstzunehmende Krise biblischen Ausmaßes beim Versuch, das Kabel des Akkus in Sekundenschnelle dazu zu bewegen, das Handy in Akkordzeit zu laden - übrigens völlig unsinnig. Die armen Mädchen bekommen Weinkrämpfe und verfallen in schizophrene Züge, wenn sie dennoch das Haus verlassen müssen. Die einzige Medizin, die hier wohl noch helfen könnte, wäre....ein Ersatzakku! Wie sollen sie sonst Marie, Caroline und Co. mitteilen, dass sie jetzt das Haus verlassen? Wer soll je erfahren, dass sie extra frischen Nagellack aufgetragen haben oder die Haare heute nicht liegen? Wer um Himmels Willen? Naja, vielleicht noch Mandy, die beim Aufschrei ihrer Freundin mitlauschen konnte, weil sie nur 2 Straßen weiter wohnt.

Ja, die lieben Teenager. Welche Mutter oder welche Vater kennt es nicht! Sie wissen alles, können alles und haben IMMER Recht...und das ganz ohne Ausnahme. Sie erfinden die Welt neu, täglich und immer wieder und wir "Alten" haben natürlich überhaupt keinen Dunst vom Leben, weil wir ja verblödet groß geworden sind. Wie klein sie dennoch sind, können wir ihnen nur präsentieren, wenn aus welchen Gründen auch immer einmal der Strom ausfällt. Dann mutieren unsere "Großen" zu Kleinstkindern, die sich auf den Boden werfen und Kraftausdrücke benutzen, deren Bedeutung wir nur in den seltensten Fällen deuten können. Dann nehmen sie auch plötzlich ihre Umwelt wahr und wenn wir Glück haben, können Sie uns und unser Zuhause leiden, wenn nicht folgt ein weiterer Ausbruch der Unzurechnungsfähigkeit.
Da fragt man sich, sind es wirklich die kleinen zappelnden Wesen, die man uns in den Arm gelegt hat? Mutieren die Zwerge vielleicht ab 12 oder 13 zu Wesen, die nicht zu diesem Planeten gehören? Hat man uns die kleinen Ungeheuer einfach untergejubelt und unsere gut erzogenen Kinder weggebracht? Ich weiß es nicht, doch nach zwei erlebten Teenagern graut es mir heute vor Teenager Nr. 3, der kurz davor steht, zu mutieren.
Ein ganz schlimmes Wort für Teenager, welches uns aber härter trifft ist..."LANGEWEILE". Die entsteht zwangsläufig, wenn wir Ihnen das Internet kurzzeitig verbieten. Warum kurzzeitig? Weil wir es länger nicht aushalten, die Kids vom "Netz" zu trennen, ohne das wir nicht mindestens einen Aufheller einschmeißen müssen, um der gegebenen Situation Herr zu werden, denn schließlich ist Gewalt und auch Freiheitsberaubung gesetzlich untersagt. Und wer sein Heim liebt, wird auch nicht selbst die Flucht ergreifen, schließlich weiß man in etwa, was einen nach der Heimkehr erwartet. Ja, die lebenserhaltende Maßnahme für unsere Kinder lautet "W-Lan". Nur so können sie kommunizieren und sich beschäftigen. Wer will schon mit echten Freunden sprechen - Auge in Auge, wenn er ihn anschreiben kann? Wer möchte etwas draußen unternehmen, wenn er es keinem "posten" kann? Wozu neue Klamotten, wenn man nicht wenigstens ein "Selfie" auf die Pinnwand setzen kann. Das Leben außerhalb der heimischen "Base" ist nur möglich, wenn das Handy aufgeladen ist und Whats-App funktioniert. Anders bekommt man sie einfach nicht aus dem Haus. Der Vorteil...sie kommen wieder, irgendwann, wenn keine Steckdose zu finden ist. Wir hatten früher so belanglose Gründe wie Hunger, Durst, Heimweh oder schlicht und ergreifend eine feste Uhrzeit, um unser Zuhause aufzusuchen und wir kannten unsere Eltern noch persönlich. Meine Kinder kennen mich auch...aber auch nur, weil ich soziale Plattformen nutze. Wer sein Kind heutzutage erreichen möchte, benötigt ein gewisses Knowhow und ein paar Schreibkenntnisse. Denn das Kinder heute nicht mehr gerne lesen, stimmt einfach nicht. Nicht, dass sie einem zuhören, aber sie lesen mit Eifer ihre Whats-App-Nachrichten und auch Dialoge, die via Facebook & Co. stattfinden. So haben auch Eltern die Möglichkeit, mit ihren Kindern zu diskutieren und sie anzubrüllen, schließlich gibt es Icons...sogenannte Emoticons, die Wut, Ärger, Verzweiflung, Tränen und sogar Geilheit ausdrücken können...genial oder???
Wer hätte gedacht...wie einfach die Kommunikation mit den eigenen Kindern funktioniert, wenn man weiß wie! Weihnachten ist es immer etwas brenzlig, denn da kommen dann meine mittlerweile erwachsenen Söhne zu Besuch. Ich freue mich dann immer riesig, wenn ich ihnen gegenüber sitze, die Teller mit frischem leckeren Essen serviert habe und sie dabei beobachten darf, wie sie die Gabel im Minutentakt ablegen, um ihre Nachrichten via Handy zu beantworten. Hach schön...wie sie sich über Bildchen und Beiträge freuen und überhaupt nicht mitkriegen, was sie eigentlich auf dem Teller haben, was mich dazu anregt, das nächste Jahr einfach eine Dose Suppe aufzumachen...da sie den Unterschied vermutlich nicht merken, es sei denn mein jüngerer Sohn macht Fotos u. postet sie...
Ja, die Generation macht Kopfzerbrechen und macht ein Umdenken bei den vergangenen Generationen zum notwendigen Übel. Alles ist den Zwergen peinlich...sogar, wenn wir sie zufällig mal draußen mit Stöpsel im Ohr erwischen. Wer sein Kind liebt, tut so, als würde er es nicht kennen und geht einfach weiter. Wenn man mit dem Nachwuchs zufällig (eigentlich recht unwahrscheinlich) gemeinsam einkaufen geht, sollte immer ein gewisser Sicherheitsabstand gegeben sein, falls einer der "Bros" im Laden aufkreuzt. So bleibt dem Nachwuchs Zeit die Arme wieder in gewohnte Spreizposition zu bringen, den Ohrstöpsel zurechtzurücken und den Zahnstocher gekonnt zu plazieren, ohne zugeben zu müssen, dass man das lästige Elternteil mitgeschleppt hat oder womöglich noch mitgeschleppt wurde.
Wenn man Sätze wie "Ich hasse Euch" nicht hören möchte, sollte man ganz einfach das Taschengeld unaufgefordert erhöhen und pünktlich auszahlen, die Lieblingssachen im Voraus erahnen und gewaschen und gebügelt im Schrank horten, nicht zuhause sein, wenn Freunde (falls es noch welche gibt, die man offline trifft) zu Besuch kommen und auf keinem Fall ansprechen, wenn betreffendes Individuum ein Handy am Ohr hält...das ist ein absolutes No-Go! Wer es dann noch schafft total locker und cool die neustens Songs abzuspielen - schweigend selbstverständlich -, nicht an Hausaufgaben, Aufräumarbeiten und überhaupt an für uns so wichtige Dinge - zu erinnern, relaxt über das Chaos im Kinderzimmer hinwegsieht, während pfeifend die Shisha gesäubert wird...der hat das goldene Los gezogen und wird wenigstens nicht verleugnet. Eigentlich ganz einfach, oder? Keine Angst, es gibt diverse Substanzen, die ein solches Leben erleichtern...zur Not kann man immer noch heimlich eine Wohnung unter falschem Namen anmieten oder auswandern...ihr seht, alles halb so wild :-).
Ja, da freut man sich 9 Monate über den Nachwuchs und braucht 9 Jahre, um die Zeit der Pubertät mit einem fachkompetenten Psychiater aufzuarbeiten, gefolgt von diversen Kursen der Selbstfindung. Aber es gibt ein Trostpflaster für alle Leidgeplagten. Wir können uns später, wenn die Gören selbst Kids haben, darüber amüsieren, wie hilflos sie der Sache gegenüberstehen...und wir könnten es sogar noch toppen...sie besuchen, uns völlig daneben benehmen und alles auf unser Alter schieben...ihr seht..es rächt sich alles im Leben :-).
In diesem Sinne...viel viel Spaß mit eurem Nachwuchs!!!!!
euer Questinchen




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