Heute morgen hab ich ein altes T-Shirt wiedergefunden und erlebte ein wahres Deja Vu. Ich kaufte es, als ich ziemlich schwanger war und aussah wie ein aufgeblähtes Erdferkel. Eine Flut von sinnigen und unsinnigen Gedanken schossen mir durch den Kopf und ich erlebte das Wunder der Geburt noch einmal und musste lachen...
Es fing eigentlich alles schon sehr ungerecht an, denn ich, als leidenschaftlicher Karnevalist, erfuhr exakt an Schwerdonnerstag von meiner Schwangerschaft. Aus zig kleinen Kurzen wurden dann Humpen mit frischgepresstem Orangensaft und meine heißgeliebte Zigarette verwandelte sich in Kaubonbons, die mir die ersten Kilo Hüftspeck bescherten. Griff ich nach meiner Schachtel Kippen, erntete ich von meiner damaligen Schwiegermutter ein Stirnrunzeln, bevor sie mir die Lust darauf mit Anekdoten und Weisheiten verdarb. Ich glaube, das war dann das erste Mal, dass ich mir wünschte, dass das mit dem Storch Realität wäre. Aussuchen - bestellen - Landeplatz verabreden und Paket abholen. Naja ...müssen wir wohl durch!
Ich gehörte zu der Sorte "schwanger", die jedesmal in Tränen ausbrach, wenn irgendwas rührseliges im Fernseh lief, das galt leider für eigentlich alles, was meine Augen so wahrnahmen. Ob Tom und Jerry oder ein Werbeclip, ich flennte permanent und hasste mich dafür.
Die ersten Ultraschalluntersuchungen erinnerten mich ein wenig an Bilder aus dem Weltall. So in etwa stellte ich mir die Galaxy vor und war entsetzt, dass aus diesem kleinen schwarzen Ding, ähnlich einer Kidneybohne, mal mein Kind werden sollte. Ich hatte so meine Zweifel und war sichtlich erleichtert, als nach einigen Wochen menschliche Konturen zu erkennen waren.
Ab dem sechsten Monat hatte ich schon Probleme, meine Füße zu sehen und das ängstigte mich, abgesehen vom ständigen Zwicken und Pieken überall in meinem Körper. Ich fragte mich in diesen Momenten oft, warum ich denn unbedingt ein Kind haben wollte und mir nicht eher einen Welpen gekauft habe. Naja, zu spät, das Implantat "KIND" saß bombenfest und erinnerte mich, wann immer ich es verdrängen wollte, durch heftige Tritte unter den Rippenbogen an seine Existenz.
Ein weiterer Nebeneffekt eines Monsterbauchs ist - dass ein jeder glaubt, er müsste seine Pfoten auf deinem T-Shirt parken und dich dümmlich angrinsen, wenn eine Blähung sich löst, weil er denkt, das KLEINE hätte gestrampelt g*.
Vom Beginn des 5.ten Monats an teilte mir der Arzt freudestrahlend mit, dass ich ein Mädchen erwarten würde und ich kaufte und kaufte und kaufte. Hübsche Kleidchen, eine pinkfarbene Wickeltasche mit Monsterblumen sowie rosa Strumpfhöschen und Strampler. Über den Namen stritten mein damaliger Mann und ich ständig, obwohl eigentlich von vorneherein feststand, dass sowieso ICH entscheide, schließlich lief ich umher wie ein Elefant, sah meine Schuhe nicht mehr und meine Hupen nahmen Ausmaße an, die kein BH mehr halten konnte. Ich litt!
Ständiges Sodbrennen, Schlafstörungen und Gelüste auf Sachen, die eigentlich einfach nur abartig waren machten mir zu schaffen, doch auch meinem Mann, was mich insgeheim ein wenig freute. Schließlich hatte er mit der Situation bisher nur ein paar Minuten Spaß, eine Dusche danach und ein wenig Spritgeld, für mich zum Frauenarzt zu bringen, oder?
Die Zeit verging, ich wurde dicker und dicker und zwei Tage nach dem errechneten Termin wurde es ernst - die Wehen setzten ein. Ich geriet in Panik und war erschrocken über den Schmerz, aber gewillt, das tapfer durchzuziehen. Wir fuhren in dieser Nacht 3x vergeblich ins Krankenhaus, um zu hören, dass es noch lange nicht reichen würde. Schock!
Am anderen Morgen musste ich zum Doktor. Er wollte nach dem Muttermund schauen, was für uns Frauen alles andere als angenehm ist. Wer liegt schon gerne auf dem Gyn-Stuhl, breitbeinig, nackt, ausgeliefert und ein weißbekittelter Kerl stochert in einem rum. Nicht nur, dass er untersuchte, er zog meinen Mann hinzu und so knieten der Arzt, mein Mann und eine Schwester vor meinen geöffneten Beinen und schauten mir bis zu den Mandeln. Es tat weh und ich teilte dem Arzt mit, dass ich spüre, wie etwas läuft....er lachte und meinte...er wäre ja vor Ort und alles wäre bestens. Bevor ich mich selbst als schizophren abstempelte half die Natur nach - die Fruchtblase platzte und vor mir knieten nun drei völlig erschrockene und durch und durch nasse Personen, die nicht fassen konnten, was sie gerade erlebten. Das ich nicht in Tränen ausbrach vor Gelächter lag wohl daran, dass mir bewusst wurde, dass es nur noch wenige Stunden dauern würde, bis ich meine Kidneybohne kennenlernen würde.
Eine Stunde später lag ich dann, ausgeliefert, auf meinem Kreißbett. Spektakulär so ein Raum. Eine Pritsche, tausend Apparaturen, die einen ängstigen und eine monströse Wanduhr. Na gut, das war vor 22 Jahren - heute sehen die wohl wesentlich "kundenfreundlicher" aus g*. Damals jedenfalls ging mein Blick immer wieder zu dieser Uhr und ich konnte nicht fassen, wie lange ein Mensch Schmerzen ertragen muss, um ein Kind auf die Welt zu bringen. Des Weiteren fragte ich mich insgeheim, warum so viele Frauen weitere Kinder bekommen, wenn sie diesen Horror einmal erlebt haben g*! Heute habe ich selbst drei Kinder und kann die Frage nach wie vor nicht beantworten g*.
Unter der Geburt stand ich mindestens zehnmal kurz davor meinen Mann zu töten, erfand immer wieder neue Schimpfworte und brach ihm fast die Hand, aber so ganz unschuldig war er nicht daran. Er schaute auf den Wehenschreiber und meinte wohl, er müsste mir mitteilen, wann wieder eine Wehe kommt. Ist das zu fassen??? Ich liege dort, alles zieht sich vor Schmerz zusammen und er teilt mir mit "JETZT KOMMT WIEDER EINE", als wenn ich die nicht spüre würde. Gott hasste ich ihn in diesem Moment und wäre ich nicht so unter Stress und Schmerz gewesen, hätte ich mir sicherlich etwas absolut bösartiges für ihn einfallen lassen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, 3 Presswehen und einigen Wehklagen meinerseits erblickte meine "Tochter" das Licht der Welt und verblüffte nicht nur meinen betreuenden Arzt - sie war superschön, hatte endlos lange schwarze Wimpern und hatte anscheinend bereits im Mutterleib eine Geschlechtsumwandlung machen lassen. Ich hatte meinen ersten Sohn geboren :-)!
Für alle diejenigen, die jetzt Panik vor Schwangerschaft und Geburt haben....WIR HABEN ÜBERLEBT :-) und wie gesagt, ich hab es zwei weitere Male getan und es nie bereut :-) *lüg* o.k., zugegeben, ab und zu mal...
Anmerkung des Autors: "KINDER? Geht einen anderen Blog lesen, der hier ist nicht gut für euch und löst gegebenenfalls ein Traumata aus g*, hab euch lieb :-)





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