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Donnerstag, 28. März 2013

Zurück an den Anfang

Ich bin heute ein wenig sentimental (eben nach dem Wort gegoogelt und festgestellt, dass es passt g*) und habe mir alte Fotos der Kinder angesehen, hachja...und festgestellt, dass ich ziemlich alt geworden bin, wenn ich bedenke, dass mein Ältester schon 23 Jahre alt wird. Doch wie war ich als Mutter? War ich wie meine Eltern? Schlimmer? Besser? Macht man automatisch die gleichen Fehler?


Fragen über Fragen, doch ich habe einiges festgestellt, über dass ich echt erschrocken bin. Ich sehe meinen Dad noch mit zorngerötetem Gesicht vor mir stehen. Damals hatte er mich schon zehnfach ermahnt, dass ich die Musik leiser drehen sollte und was hab ich geantwortet? "Man, wie soll ich Dich denn verstehen...die Musik ist zu laut"! Nachdem ich den Spaß dreimal wiederholt hatte, war auf einmal mein Strom weg. Und ich zog wutentbrannt eine Etage tiefer, um meine Eltern über diesen Mißstand aufzuklären. 

Ich sehe mich noch dastehen, Hände in die Hüften gestemmt, aufgeblähte Nasenflügel, Arroganz gepachtet, kampfbereit und höre noch, wie ich ihn darüber aufkläre, dass mir der Strom zusteht. *lach* warum eigentlich? War nicht ER derjenige, der die Rechnungen zahlte? War nicht ER derjemand, der täglich um 6 Uhr aufstand, um mir (seiner damals 13jährigen Tochter) das Frühstück zu richten, damit diese einen Grund hat, zu meckern. Vielleicht weil das Ei nicht auf den Punkt gekocht war oder der Kaffee nur lauwarm. Mein Gott, war ich schrecklich!




Das war dann eine dieser Situationen, an die ich heute morgen denken musste und ich höre einen der vielen Eltern-Standard-Sätze, wenn eine Situation eskaliert: "Fräulein (fast heiser), solaaaaaaaaaaaaaaaaaaange Du deine Füße unter meinen Tisch stellst, hast du zu machen, was ich Dir sage (mit Zeigefinger drohend)!" 
Tja, was soll ich euch sagen....so sehr ich diesen Satz verabscheue, ich habe ihn auch benutzt und zwar, als meine Kinder die Musik so laut aufdrehten, dass ich zwei Etagen tiefer Probleme hatte, meinen Gesprächspartner am Telefon zu hören. Auch ich war fast heiser, bekam kaum Luft und war am Schnauben vor Wut. Schon verrückt, wie sich alles rächt, gell?

Andere Situation - Problematik Wäschekorb! Tja, so ein Wäschekorb hat halt den Vorteil, eine Menge Wäsche aufzunehmen, doch den Riesen-Nachteil, dass er diese nicht in den Zimmern einsammeln geht. Das Problem erkannte ich bereits als Kind, denn ich wartete Tag für Tag auf seinen Besuch, da meine Wäsche sich türmte und mir die Ecken ausgingen, wo ich sie noch hätte hinschmeißen können. Auch hier folgte eine Predigt vom Chef-Kritiker höchstpersönlich: 

"Was denkst Du eigentlich, wer Du bist?" - Hände in den Hüften (eigentlich meine Siegerpose)!
"Na, wenn ich es nich weiß, dann hast Du mich wohl von Anfang an belogen, oder?" - rotznäsige Durchlaucht, die genau weiß, was er will.
"Fräulein - nicht in dem Ton"! - nach Luft schnappend
"Ich habe nun einmal eine solche Stimme, sorry" - gelangweiltes Miststück, was sich einen Spaß daraus macht, ihren Vater auf 180 zu kriegen.
"Dir ist klar, dass das ein Nachspiel hat?" - vermutlich weiß er in diesem Moment kaum  noch, weshalb er sich eigentlich aufregt.
"Wegen dem bisschen Wäsche?" - um ihn zu verwirren.
"Was für Wäsche?" - ich glaube er merkt nicht, dass es eigentlich genau darum ging.
"Na die, die hier wohl niemand mehr einsammelt - ich muss in die Schule und hab keine Zeit für Sklavenarbeit" - noch frechere Göre, die genau weiß, das Cheffe das hasst.
"JETZT REICHTS (brüllend), DU RÄUMST JETZT SOFORT DEN SAUSTALL AUF - SOFORT" - am hyperventilieren - ich kann mir ein Grinsen nicht vergreifen und hole erneut aus
"GUT (schreie genauso laut) - DANN SCHREIB MIR NE ENTSCHULDIGUNG" - alle Asse ausgespielt

Die Tür fliegt laut scheppernd ins Schloss und mein Vater ist noch immer am brüllen, aber gottlob hinter meiner Zimmertür, sodass ich nicht mehr reagieren muss! Als ich am Mittag aus der Schule kam war alles sauber, ich wollte mich gerade dafür bedanken als ich einen kleinen Zettel auf meinem Schreibtisch finde, in der künstlerischen Handschrift meines Erzeugers, auf dem steht:

"Das Personal hatte noch ein wenig Zeit und hat den Müll eingesammelt, den du ja augenscheinlich nicht mehr benötigt hast - einige Kleidungsstücke davon waren allerdings noch so gut erhalten, dass wir sie der Caritas gespendet haben"!

Meine Kinnlade fällt, ich sinke auf mein Bett und mir laufen vor Wut die Tränen. Boah...
Ich erfuhr erst 3 Wochen später, dass er die Sachen einfach nur auf den Speicher gebracht hat, um mir eine Lektion zu erteilen, aber....die hat gesessen! Ich war eine mustergültige "Wäsche-Runterbring-Göre" und es gab darüber nie mehr Streit!


Tja, gefühlte Jahrtausende später sehe ich mich im Zimmer meiner Söhne, wutschnaubend! Der gestrig gebügelte Wäscheberg steht fast so dort, wie ich ihn abgestellt habe, nur nicht mehr gefaltet, jedoch an der gleichen Stelle! Ich raste aus, stopfe alles in einen Sack und deponiere ihn woanders. Wie kommts? Wo hab ich das nur schon einmal erlebt? :-).

So wiederholt sich wohl alles im Leben und wir kommen aus unseren Erziehungsmustern nicht raus, es sei denn, wir arbeiten sehr hart an uns! Das Schöne ist....wir können die angewandten Techniken heute zu unserem Vorteil nutzen und unsere Kinder in die richtige Richtung führen, sofern wir konsequent sind! 

Ich jedenfalls bin konsequent, aber darin leider sehr sehr flexibel!!!!!

Irgendwann werden meine Kinder vor ihren Kindern stehen und den armen Kleinen mitteilen, dass sie zu hören haben, solange ihre Füße unter dem Tisch des Hausherren stehen. Bleibt zu hoffen, dass sie keine Esstheke haben g*....

 



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